Ein Tag voller Emotionen

Dieser Beitrag folgt keinem SEO angepasstem Schema. Heute gibt es auch keine Werbung oder etwas Lehrreiches oder Wissenswertes. Heute geht es um Gefühle, Ängste und Gedanken.

Während ich dies schreibe, ruckelt das Flugzeug gerade und in mir klettern Ängste hoch. Noch vor wenigen Monaten wäre es mir nicht möglich gewesen, weiterzuschreiben. Vor lauter Angst hätte ich in dem Blick meines Mut-Tigers etwas Beruhigendes gesucht. Es wäre mir nicht möglich, ruhig zu atmen und mein Verstand setzt dann einfach aus.

Unter mir spüre ich Vibrationen und ich treffe nur schwer die richtigen Buchstaben. Ich habe gelernt, die Crew zu beobachten. Solange der Service weitergeht, ist alles gut, auch wenn die „bitte anschnallen Zeichen“ leuchten.

Doch heute ist es tatsächlich etwas anders. Ich bin erstaunlich ruhig. Zwar schlägt mein Puls schneller, aber von meiner Flug-Angst ist heute wenig spürbar. Wie kann das sein? Ich erzähle es dir später im Text.

Die Gefühle drehen durch

Heute heule ich ungehemmt los, als sich das Flugzeug in Bewegung setzt. Das waren keine Tränen aus Angst, sondern vor lauter Freude, dass es nun endlich losgeht. Ich bin einfach komplett überwältigt. Wochen- fast monatelang haben wir uns auf diese Reise vorbereitet und jetzt geht es los. Es löst sich Druck und Anspannung und ich kann gar nicht mehr aufhören, zu weinen.

Wir sind nun wirklich zu unserer Weltumrundung aufgebrochen. Oft wurden wir gefragt, warum wir es nicht „Weltreise“ nennen. Für uns zählen zu einer Weltreise Destinationen, die alle Erdteile abdecken. Das können wir in 60 Tagen leider nicht. Wir haben einmal davon geträumt, einfach loszufliegen und dort, wo es uns gefällt, eine Weile zu bleiben. Dass dies ein Traum bleiben wird, muss ich ja nicht weiter erklären.

Wir sind in der glücklichen Lage, die Welt einmal zu umrunden und uns auf diesem Weg ein paar Ziele anzuschauen. Dieses Abenteuer ist „once in a lifetime“, das wird so nie wieder möglich sein. Ich habe das Privileg, nebenbei arbeiten zu dürfen. Unsere Familie wird von diesen einzigartigen Erlebnissen noch lange träumen.

Doch uns hat auch eine Menge Angst bis hier hinbegleitet. Wird wirklich alles so klappen. Es sind schon wieder Streiks angekündigt, was ist, wenn sie uns betreffen. Wir Mädels sind ziemlich erkältet, halten wir den langen Flug gut durch. Wie wird meine Flug-Angst unterwegs sein, wenn wir in Australien viermal Inland fliegen müssen? Was wird sein, wenn unseren Eltern etwas passiert, wenn wir unterwegs sind. Schafft Emma den schulischen Anschluss und sind wir als Eltern schlau genug, mit ihr den Schulstoff durchzugehen. Gedanken über Gedanken – und am Ende werden all die Herausforderungen andere sein, als wir gedacht haben und wir werden sie alle gemeinsam meistern. Mehr als einmal schrieb ich davon, dass ich ein Angst-Häschen und mein Mann unser Mut-Tiger ist. Genau auf dieser Reise zeigt sich, wie gut es ist, dass wir uns haben.

Und noch ein Problem

Wer uns nahe steht, weiß, dass ich mit einem Überschuss an Histaminen im Blut kämpfe und teilweise schwere Nesselsucht Schübe habe, die wir nicht richtig unter Kontrolle bringen können. Ich kann an dieser Stelle nur meiner Ärztin danken, die mich so unglaublich liebevoll begleitet hat. Es gab Momente, da hatte ich wirklich Bedenken, diese Reise anzutreten. Und ich glaube, auch ihr was es nicht immer ganz recht. Nun habe ich einen Adrenalin Pen für den Notfall in der Tasche und bin mir sicher, dass sie mich perfekt vorbereitet hat. Sie riet mir, Erdnüssen und Meeresfrüchten aus dem Weg zu gehen. Auf Haselnüsse reagiere ich seit einigen Wochen plötzlich sehr heftig. Schon das erste angebotene Essen im Flugzeug, der Appetizer, waren köstliche Sate Spieße. Ups – Erdnüsse. Danach servierte die Crew den ersten Gang – Jakobsmuscheln. Ich konnte nicht widerstehen und hab davon gegessen. Ich finde sicher noch raus, was leichtsinnig und was vorsichtig ist.

Dankbarkeit fühlen dürfen

Auch die Schule hat uns liebevoll auf den Weg gebracht. Beginnend bei der Unterstützung der Schulleitung bei dem Antrag der Schulbefreiung, bis hin zur intensiven Hilfe durch Emmas Klassenlehrerin. Am letzten Schultag konnte Emma wegen ihrer starken Erkältung nicht in den Unterricht und sie ließ jedes Kind einen Brief an Emma schreiben. Unfassbar liebevolle Worte sind in Karten und Briefen in unserem Koffer bei uns. Das hat sogar uns Großen zu Tränen gerührt. Was für ein Privileg zu lesen, wie wichtig unser Kind ihren Klassenkameraden ist.

Es ist nicht selbstverständlich, dass auch Jochen diese Reise antreten kann und die Firma ihm den Rücken in dieser Zeit frei hält. Ohne die starke Geschäftsführung und eine Reihe aufmerksamer Mitarbeiter wäre dieser Traum ein Traum geblieben. Er dankt an dieser Stelle seinem Team!

All unsere Freunde waren eine so große Hilfe und Unterstützung an jedem Punkt der Planung. Ich bin mir sicher, dass es einige auch manchmal nicht mehr ertragen konnten, uns über nichts anderes sprechen zu hören. Als gäbe es kein anderes und wichtigeres Thema auf dieser Welt. Für uns in den vergangenen Wochen nicht, nein. Verzeiht, wo wir genervt haben. Und habt von Herzen DANK für jedes einzelne Ohr und aufmunternde Wort. Der Satz „kommt gut zu uns zurück“ hat uns alle Drei warm mitten ins Herz getroffen. Wir sind wahrlich gesegnet!

Wir sind unserer lieben Nachbarin, die sich um Jochens Mama kümmert und meiner Schwester, die allzeit für meine Eltern da ist, zu großen Dank verpflichtet. Nur weil sie da sind, haben und genießen wir die Freiheit, einfach mal weg zu sein.

Einfach mal weg. Zwei Monate nicht da. Ohne unsere geliebten und lebensnotwendigen Freunde. Aber auch ohne unsere große Tochter. Sie wird uns wohl am meisten fehlen. Aber wir wissen auch, dass wir Menschen traurig machen, die uns arg vermissen, aber uns gehen ließen.

Weg – und schon ist alles anders

Kaum sind wir auf dem Flugplatz angekommen, ändert sich immer auch unser Denken. Ich fange sofort an, Englisch zu sprechen. Warum auch immer – auf einem deutschen Flughafen mit deutscher Crew. Aber das internationale Flair löst in mir etwas Merkwürdiges aus. Emma fühlt das auch. Sie fragt schon am Flugplatz permanent nach der Uhrzeit. Sie meint die Zeitzone von unserem zu Hause. Die verlassen wir offenbar für sie immer bei Eintritt in das Flughafengelände.

Und nun sind wir aufgebrochen zu einem der größten Abenteuer unseres Lebens. Diese Reise beginnt auch mit einer Erkenntnis! Trinke in einem Flug der Singapore Airlines niemals dein Glas Wasser leer – du bekommst es sofort aufgefüllt.

Flug-Angst ade?

Heute ist etwas Entscheidendes anders – ich gehe entspannt auf die Flugzeug-Toilette. Eine fantastische Freundin hat mit mir eine Therapiestunde abgehalten, um mir bei meiner Angst vor dem Fliegen zu helfen. Und es geht mir wirklich gut. Das Herz hüpft immer mal wieder, aber es ist kein Vergleich zu vorherigen Flügen. Ich bin so unfassbar dankbar!!! Es nimmt meiner Familie und mir eine große Last! Hier mein Appell: Trau dich, deine Ängste zu bewältigen. Es lebt sich viel, viel freier!



Beitrag teilen:

Pinterest
LinkedIn
Print

4 Antworten

  1. Hi Corinna ,
    Ihr macht alles richtig ! Es wird eine tolle Reise mit vielen unvergesslichen Erlebnissen und ihr werdet noch lange daran zurückdenken. Ich denke da an unsere Reisen wir zehren da noch heute von und schauen uns gerne die Fotos und Videos an .Die Angst vor dem Unbekannten ist natürlich auch immer dabei aber ich bin doch immer wieder positiv überrascht worden und habe mich bisher überall auf der Welt wohlgefühlt .Bei der Fliegerei habe ich auch immer ein mulmiges Gefühl und Dagmar bekäme ich nie zu so einem langen Flug überredet.

    Auf weiter schöne Berichte .

    Dagmar und Robert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Corinna Kruse Profilbild einer Reisejournalistin

Corinna Kruse

Als studierte und seit 2021 selbstständige Journalistin liebe ich es meine Erlebnisse in Worte zu packen. Ich möchte andere dazu motivieren, sich auf unbekanntes Terrain zu begeben und ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Die neusten Beiträge

Fastenzeit

Das Fasten ist vorbei

Fasten 2024 ist beendet. Fertig. Geschafft. Erledigt. Vorbei. Abgearbeitet. Mir fallen so viele Synonyme ein, aber nicht Eines trifft es wirklich. Es war eine Herausforderung,

Weiterlesen »
Fastenzeit

Fasten Tag 12 – 15

Meine Tage sind von kleinen und großen Kämpfen geprägt. Ich bin ja ein Stress-Esser. Doch auch an Tagen ohne viel Stress (mein Mann würde behaupte,

Weiterlesen »
Fastenzeit

Tag 12 – Warum ich glaube

Selten werde ich so viel über meinen Glauben gefragt, wie im Moment. Liegt natürlich auch daran, dass durch mein Fasten mein Glaube offensichtlich wird. Heute

Weiterlesen »